Zeugnisse

Chuseok in Wolmyeongdong, Südkorea

Chuseok in Wolmyeongdong, Südkorea

Letzten Mittwoch haben die Chuseokfeiertage angefangen. Chuseok ist in Korea traditionell eine Zeit, in der die Bauern ihre Ernte einfahren und die Familien zusammenkommen.

Mein Pastor, Myungseok Jung, sagte mir, dass der Herr uns nie verlässt, nicht einmal während der Feiertage. Darum sollten wir, egal an welchem Ort wir die Feiertage verbringen, sie in diesem Bewusstsein verbringen und eine schöne Zeit haben. So feierte ich Chuseok mit einem dankbaren und fröhlichen Herzen mit meinen Eltern und Geschwistern. Weil es keine Unfälle gab, bin ich überzeugt, dass der Herr, mit uns war.

Nachdem ich einige Zeit mit meiner Familie verbrachte hatte, ging ich nach Wolmyeongdong und traf dort ein paar Leute, die keine Familie hatten, mit der sie die Chuseokfeiertage verbringen konnten. Darum waren sie nach Wolmyeongdong gefahren, um die Feiertage mit Gott und dem Herrn zusammen zu feiern.

Pastor Myungseok Jung sorgte dafür, dass jeder in Wolmyeongdong traditionellen Reiskuchen und auch anderes Essen bekam. So konnten wir Chuseok mit einem gut gefüllten Magen feiern und Gottes Herrlichkeit loben, und es wurde eine wirklich wunderbare Zeit. Er erzählte uns auch einige Erlebnisse aus seiner Vergangenheit.

Wie Pastor Myungseok Jung Chuseok feierte

Als Pastor Jung in seinen Zwanzigern war, predigte er in anderen Städten. Aber wann immer ein großer Feiertag war, ging er zurück in sein Heimatdorf, denn er wollte seine Eltern besuchen.

Sogar als er eine Gemeinde in Seoul leitete, legte er immer Wert darauf, nach Hause zu fahren. Seine Eltern machten sich nämlich Sorgen, weil er oft in anderen Städten missionierte. Aber jedes Mal, wenn er sie besuchte, beruhigte er sie, bevor er schließlich nach Seoul zurückkehrte.

Einmal zum Beispiel kaufte Pastor Myungseok Jung für seine Eltern drei getrocknete Seelachse und fuhr mit dem Fernbus zu ihnen. Er besorgte gerade genug für seine Eltern, denn die Fische konnten schnell schlecht werden.

Aber er erinnert sich heute auch nicht mehr an alles, weil es schon so lange her ist.

Weintrauben der Zuneigung

Als er als Teenager mit seinen Eltern zusammen wohnte, hatte er kein Geld. Darum ging er an Chuseok in die Berge und pflückte wilde Weintrauben, die sehr schön und lecker aussahen. Pastor Jung legte sie also in seinen Holzkorb und brachte sie zu Chuseok seinen Eltern mit, denn er wollte ihnen unbedingt etwas schenken.

Aber die Weintrauben waren nichts im Vergleich zu dem, was seine Brüder für seine Eltern mitgebracht hatten. Sein ältester Bruder lebte in Seoul und hatte daher Rindfleisch und viele andere Geschenke besorgt, und auch seine anderen Brüder hatten verschiedene Dinge mitgebracht.

Als sein Vater die Weintrauben probierte, runzelte er die Stirn und sagte: „Was zum Himmel… Die sind total sauer! Ich kann das nicht essen!“

Und seine Mutter fragte: „Ist das das Beste, was du uns geben kannst? Wann findest du endlich Arbeit und bringst Rindfleisch nach Hause, so wie dein ältester Bruder?“

Pastor Jung hatte zwei ältere Brüder. Sie lebten in der Hauptstadt und hatten dort ein Einkommen, von dem sie Geschenke gekauft hatten. Doch er selbst lebte in Wolmyeongdong und arbeitete mit seinen Eltern auf dem Feld. Manchmal kam er einen ganzen Monat lang kein einziges Mal mit Geld in Berührung. Damals konnte er in der Kirche nur höchstens 10 Cent in die Kollekte geben und hatte überhaupt kein Geld, um für die Feiertage etwas vom Markt zu kaufen.

Seine beiden älteren Brüder genossen die wilden Trauben, die er mitgebracht hatte. Sie vermissten ihr Heimatdorf, weil sie schon lange in Seoul lebten. Pastor Myungseok Jung war zufrieden, als er sah, dass wenigstens sie die Weintrauben genossen.

Wenn seine Eltern gesagt hätten: „Wilde Weintrauben sind auch teuer, wenn man sie an Chuseok auf dem Markt kaufen will“, wäre er sehr glücklich gewesen. Aber sie wussten nicht, dass ihm seine Eltern so viel bedeuteten.

Was ich aus dieser Geschichte gelernt habe

Durch Pastor Myungseok Jungs Geschichte erkannte ich, dass auch Eltern vieles aus Unwissenheit sagen. Wann immer ich also mit meinen Eltern spreche, versuche ich, verständnisvoll zu sein. Manchmal sagen sie etwas, das einen verletzt. Aber ich weiß, dass sie das nicht so meinen. Wenn man sich bemüht, mit seinen Eltern ein friedliches Verhältnis zu haben, kommt man innerlich zur Ruhe und ist auch in Zukunft glücklich.

Pastor Myungseok Jungs Eltern haben die Weintrauben, die er ihnen gab, als nichts Besonderes erachtet, aber für ihn waren die Trauben das Beste, das er aufbringen konnte. Sie enthielten seine ganze Zuneigung für seine Eltern. Und obwohl er sich verkannt fühlte, hat er nicht aufgegeben, sondern nahm sich vor, jemand zu werden, den seine Eltern anerkennen würden.

Und weil er in seinem Leben Gott und dem Herrn, treu war, segnete Gott ihn.

Wenn du Gott treu bist, wird er dich segnen. ~ Myungseok Jung

 

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